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Sonntag 18.05.2008 / 19.31
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Am Boden bleiben und abgehen!

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Begonnen hat alles 2007 mit dem Eröffnungsfest des Ladenlokals der Haarschneiderei. Das Fest trug den Titel „Lendwirbel“ und eine Handvoll Musiker und DJ’s sorgten dafür, dass es in der Mariahilferstraße 28 einen Abend lang schnalzt und kracht – was der Flyer von damals schon im Vorhinein versprach.
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Ein Jahr später wurde von einer Gruppe hier arbeitender und lebender Menschen ein Experiment gestartet und der Lendwirbel in seiner heutigen Form geboren. Die Frage im Jahr 2008 war: Können Straßen und Gassen, Gehsteige und Plätze in diesem Viertel an einem Wochenende als unser Wohnzimmer fungieren? Daraufhin wurde der Stadtraum mit Respekt und Toleranz erobert, es wurde lustvoll produziert, diskutiert und natürlich getanzt. Es war ein bunter Wirbel in einer Form, wie wir ihn in Graz wohl noch nie erlebt haben – und die Antwort auf die Frage lautete somit „Ja“!
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Im Jahr 2009 stellte sich das Experiment bereits gelagert dar. Schon im Vorfeld der Durchführung wurde breites Interesse von unterschiedlichen Menschen und Milieus am Lendwirbel artikuliert: Ehemalige BesucherInnen, vom Hörensagen her Kennende, KünstlerInnen, MusikerInnen, AktionistInnen, Gewerbetreibende, JournalistInnen, sowie Stadt- und StandortentwicklerInnen hatten Erwartungen an das Fest. Rund 10.000 BesucherInnen strömten in das Viertel und wurden Teil eines breit gestaffelten, umfassenden soziokulturellen Spektakels. So ist auch dieses Experiment geglückt.
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Heuer stellt sich für uns die Frage, ob sich neue Wege zwischen spontan inszenierter Wohnzimmeratmosphäre und Spektakelformat finden lassen. Deswegen versuchen wir in diesem Jahr den Lendwirbel etwas ruhiger und entspannter, aber auch zugleich reflektierter und breiter anzugehen. Deswegen: Am Boden bleiben und abgehen!
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Dieses Motto wird in der Gesamtkonzeption des Lendwirbels seinen Ausdruck finden: Beim Musikprogramm verzichten wir auf aufwendige Bühnensituationen. Im Viertel verteilte Musikhotspots ganz nah am Publikum sorgen für ein direkteres Musikerlebnis. Programmiert sind bereits eine Vielzahl an lokalen sowie nationalen Bands und Djs. Dazwischen dienen die Spots auch als “Open Stage” für spontane Auftritte, wodurch Freiräume zur Aneignung entstehen.
Gleiches gilt für zahlreiche weitere Aktionen und Programmpunkte. Mit der „Streetgallery“ wird eine kuratierte und in sich konsistente thematische Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum geführt. Gleichzeitig sind alle eingeladen, ihrem Diskurs mit dem Viertel selbst im öffentlichen Raum Ausdruck zu verleihen. Dabei wird es Unterstützung für die Umsetzung dieser Ideen geben.
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Neben den seit drei Jahren bestehenden zentralen Programmpunkten Musik, streetgallery und Symposion, gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Aktivitäten, die sich zusammen zum Lendwirbel – als eine Manifestation der Vielfalt eines Stadtviertels – formieren.
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Für den diesjährigen Lendwirbel wurde frühzeitig versucht Interessierte einzubinden und bestmögliche Transparenz in einer breiten Diskussionsplattform zu gewähren. Im Zuge von drei Treffen seit Jänner 2010 hat sich eine stetig wachsende Gruppe von LendwirbelaktionistInnen gebildet. Nach wie vor gibt es niemanden, der/die das letzte Wort in inhaltlichen oder programmatischen Fragen innehat. Jedoch wurde die Gesamtorganisation, welche von unterschiedlichen Netzwerken getragen wird, optimiert: Zwei Personen kümmern sich um Kommunikation, Koordination und Dokumentation innerhalb und zwischen den engagierten Netzwerken. Solche Organisationsformen werden als Form der „kollektiven Intelligenz“ bezeichnet. Wie das Beispiel der Open-Source-Software Programmierung zeigt, kann so eine breite Programmvielfalt (bei gleichzeitiger Vermeidung von Fehlern und Gefahren) entstehen.
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Darauf aufbauend ist das Motto „Am Boden bleiben und abgehen!“ auch als Statement gegen eine „inszenierte“ Entwicklung von Kreativwirtschaftsvierteln im Zuge internationaler Standortpolitiken zu verstehen. Wir glauben, dass ein kreativer Mehrwert mit sozialer Verantwortung nur innerhalb bestehender Milieus aus verschiedenen (sub)kulturellen Netzwerken entsteht.
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Wir möchten uns bei unseren FördergeberInnen und Sponsoren für die Unterstützung bedanken. Mit diesen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und großem, weit darüber hinausgehendem Engagement versuchen wir das bestmögliche für ein gutes Zusammenleben im Lendviertel zu erwirken, ein interessantes Programm zu gestalten und für eine Nachhaltigkeit unserer Aktivitäten zu garantieren. Mit dem „Lendwirbel“ möchten wir so auch dazu einladen, mit uns einen Diskurs über die Frage „Welche Kultur fördert unsere Stadt“ zu führen.


PRESSEPIX

copy pix: Alexander Karelly (lupispuma.com)