Begonnen hat alles 2007 mit dem Eröffnungsfest des Ladenlokals der Haarschneiderei. Das Fest trug den Titel „Lendwirbel“ und eine Handvoll Musiker und DJ’s sorgten dafür, dass es in der Mariahilferstraße 28 einen Abend lang schnalzt und kracht – was der Flyer von damals schon im Vorhinein versprach. Ein Jahr später wurde von einer Gruppe hier arbeitender und lebender Menschen ein Experiment gestartet und der Lendwirbel in seiner heutigen Form geboren. Die Frage im Jahr 2008 war: Können Straßen und Gassen, Gehsteige und Plätze in diesem Viertel an einem Wochenende als unser Wohnzimmer fungieren? Daraufhin wurde der Stadtraum mit Respekt und Toleranz erobert, es wurde lustvoll produziert, diskutiert und natürlich getanzt. Es war ein bunter Wirbel in einer Form, wie wir ihn in Graz wohl noch nie erlebt haben – und die Antwort auf die Frage lautete somit „Ja“!
Im Jahr 2009 stellte sich das Experiment bereits gelagert dar. Schon im Vorfeld der Durchführung wurde breites Interesse von unterschiedlichen Menschen und Milieus am Lendwirbel artikuliert: Ehemalige BesucherInnen, vom Hörensagen her Kennende, KünstlerInnen, MusikerInnen, AktionistInnen, Gewerbetreibende, JournalistInnen, sowie Stadt- und StandortentwicklerInnen hatten Erwartungen an das Fest. Rund 10.000 BesucherInnen strömten in das Viertel und wurden Teil eines breit gestaffelten, umfassenden soziokulturellen Spektakels. So ist auch dieses Experiment geglückt.
2010 stellte sich für uns die Frage, ob sich neue Wege zwischen spontan inszenierter Wohnzimmeratmosphäre und Spektakelformat finden lassen. Mit wachsender inhaltlicher Dichte und Vielfalt zu einem kulturellen und musikalischen Ereignis mit enormer örtlicher Kraft und ca. 12.000 BesucherInnen angewachsen, stand der LENDWIRBEL im Jahr 2010 unter dem Motto am Boden bleiben! … und abgehen.
Der letztjährige LENDWIRBEL 2011 – Ein Zustand?! mit rund 30.000 BesucherInnen fokussierte inhaltlich den kontinuierlich gestalteten Prozess aus Auseinandersetzung, Kommunikation und Interaktion im Stadtteil Lend, bekräftigte Potentiale und Aktivitäten im Lend und darüber hinaus. In einem mehrtätigen Straßenfest mit unzähligen stadtteilverbindenden Aktionen und Projekten zeigte sich dann auch jene praktisch in allen Aspekten der Stadtentwicklung wirksame, positive Agilität und Attraktivität des LENDWIRBELs..
Der LENDWIRBEL 2012 steht unter dem Motto “Aufbruch ins Wesentliche!” Segel setzen, Kompass checken, Aufbrechen. Gewappnet mit den Bildern und den Erlebnissen aus den letzten LENDWIRBEL-Jahren und der Zuversicht, dass es Zweitausendunddreizehn geben wird, kann es nur darum gehen die Gemeinschaft noch stärker zusammenzufügen und weitere Schritte gemeinsam zu machen. Nachbarschaft, Stadt und Gesellschaft zu gestalten bleibt eine kontinuierliche Aufgabe. Von Tag zu Tag wird uns bewusster, dass es wieder weitergeht. Deshalb hat der LENDWIRBEL heuer seine nächste Etappe vor Augen, sozusagen eine next destination. Nicht eindeutig ist Wohin es geht, ganz klar aber ist das Wann, Wie und Warum: Es geht sofort los und ohne Kompromisse mit dem Mut des Handelns, auf der Suche nach Alternativen. Dabei ändern wir heuer nicht die Richtung, sondern das „Gefährt“ und machen uns auf den Weg ins Wesentliche, jenen Teil unserer Welt, der in uns allen steckt und dennoch oder vielleicht gerade deswegen besser gemeinsam zu erreichen ist. Deshalb sind alle eingeladen die Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Gestaltung unseres Lebensraums viele Schritte voran zu bringen. Wir wünschen uns allen ab jetzt eine gute Reise und einen mächtigen Aufbruch ins Wesentliche!
Wir möchten uns bei unseren FördergeberInnen und Sponsoren für die Unterstützung bedanken. Mit diesen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und großem, weit darüber hinausgehendem Engagement versuchen wir das bestmögliche für ein gutes Zusammenleben im Lendviertel zu erwirken, ein interessantes Programm zu gestalten und für eine Nachhaltigkeit unserer Aktivitäten zu garantieren. Mit dem „Lendwirbel“ möchten wir so auch dazu einladen, mit uns einen Diskurs über die Frage „Welche Kultur fördert unsere Stadt“ zu führen.
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